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Enrico’s Wordpress

Distanzierte Nähe

24. Juli 2008

Die Malerei von Enrico Freitag besticht durch die Authentizität des Augenblicks, verbunden mit irrationalen Szenarien und Geschehnissen. Die Ideen zu seinen Motiven entstehen ebenso zufällig, wie durch präzises Erforschen und Beobachten seiner unmittelbaren Umwelt und seiner eigenen gedachten und gefühlten Ereignisse und Geschichten.

Eine Verbindung zwischen distanziertem Voyeurismus und mitfühlender Begierde nach dem Fremden und Anonymen, zum Objekt selbst. Sensibel und mit einer gewissen Distanz nähert er sich so seinen Bildern.

Die Bilder sind Zeitzeugen der Vergangenheit, festgehalten in realistischen, gegenständlichen Verrätselungen. Kristallisationen von Erinnerungen an die Familie, die Heimat, alltäglichen Begebenheiten, besonderen Eindrücken, Ausflügen und Reisen.

Die Faszination zum Motiv spiegelt die eigene Gefühlsebene wider und lässt Freiraum zur Interpretation. Die Farbwahl und die Präzision des dargestellten Augenblicks, erinnern an eine vergangene Zeit der Malerei.

Seine Vorliebe für die Klassik, sowie die vielfältigen Kunstrichtungen des Realismus, sind stets in allen Werken des Künstlers spürbar. Anspruch auf Makellosigkeit, Reinheit und Schönheit der Form, sowie auf Wahrhaftigkeit und Vollendung sind nur einige der Ideale und Dogmen für die Entwicklung seiner Werke. Und dennoch schafft der Künstler eine eigene, für sich stehende künstlerische Relation, fern und frei für die eigene Erkundung.

Die früheren Werke waren von einer höheren Distanz zum Geschehen geprägt. Die abgebildeten Personen waren für den Betrachter ohne Identität und dennoch eingebettet im intimen Geschehen des Unbekannten. Die Phantasie beflügelt uns, lässt uns abschweifen in die anonyme Begebenheit / Vergangenheit des Individuums.

Das Fehlen von Gesichtsausdrücken der Personen, die schablonenartige Darstellung von Erinnerungen verdeutlichen, dass das Vergangene rückwirkend verändert, subjektiv und lückenhaft wahrgenommen wird. Das Geschehene wird zum Bild der Vergangenheit im eigenen Gedächtnis. Gefühle werden hinzuassoziiert und so erscheint das Gelebte als Schablone der Zeit.

Über die Jahre entwickelten sich die Bilder des 1981 geborenen Künstlers, dennoch hielt Freitag an der Schablonentechnik fest und erweitete sein handwerkliches Können durch expressiv und leidenschaftlich gestaltete Hintergrundszenarien. Die neusten Werke betten die realistischen Bildausschnitte in träumerisch, sanfte Farb- und Materialgewülste ein.

Wie auch schon bei den älteren Werken, nähert sich Freitag gesellschaftskritischen Thematiken auf eine distanzierte und dennoch impulsive Art und Weise. So besticht „Der Flaschensammler“ nicht nur durch seinen fotorealistischen Perfektionismus sondern auch durch die anklagende Kritik der neuen Zeit

Seine Werke sind mehr als nur fotorealistische Zeugnisse der Zeit, sie symbolisieren Gefühltes wie Gelebtes. Er malt überall, heimlich und zurückgezogen in seiner eigenen Welt. Seine Bilder entstehen im Kopf und die Entwicklung vollzieht sich in Phasen, seine Bilder spiegeln sich in der Reflexion des Tatsächlichen und seine dargestellten Ereignisse und Geschichten streifen die anonymen Gedanken eines jeden Einzelnen und lassen Freiraum für die Nachdenklichkeit und Kreativität.

Enrico Freitag ist ein zeitgenössischer Traditionalist der stillschweigend Kunst schafft und mit leichtfüßiger Impulsivität in die Geschichte der Zukunft eintreten wird.

Bianka Voigt

Weimar, Juli 2008

Von der Entdeckung zur Erinnerung

10. Oktober 2007

Enrico Freitags Bilder sind malerisch festgehaltene, von ihm beobachtete Ereignisse. Er erarbeitet mit Hilfe von Schablonen und expressiven Maltechniken einen distanzierten Blick auf sein Umfeld.

Als Grundlage für Enrico Freitags Malerei dienen ihm seine Fotografien. Er ist deswegen nicht nur als Maler sondern auch als Fotograf zu betrachten. Seine Fotografien sind distanzierte Entdeckungen von intimen Momenten und alltäglichen Geschehnissen seines Umfeldes. Sie zeugen von geduldigem Warten, präzisem Beobachten und schnappschussartigem Entdecken. Enrico Freitag überträgt diese fotografischen Augenblicke in einzigartig malerische Momente und Auszüge einer bzw. seiner erlebten Vergangenheit.

Die Bilder beruhen auf Kristallisationen von Erinnerungen an die Familie, an die Heimat, an Ausflüge und Reisen. Zwanglosigkeit und Natürlichkeit werden durch seinen distanzierten Blick fühlbar und lassen dadurch die Bildinhalte abwesend und als in sich geschlossenes Ereignis wirken. Diese Natürlichkeit verleiht den Bildern Kraft und Wahrhaftigkeit. Stillstand und die Unbeweglichkeit des vergangenen Augenblicks werden fühlbar und durch seine Technik reduziert und verstärkt. Er verbildlicht Gedanken an etwas zurückliegendes, in dem Moment der Erinnerung jedoch werden diese zu einem Ereignis der Gegenwart. Unsere Geschichte und Erinnerung ist stetiger Bestandteil unserer Gegenwart, doch wird diese Erinnerung entstellt, subjektiviert und lückenhaft wahrgenommen. Das Fehlen von Gesichtsausdrücken ist dies kennzeichnend und Sinnbild unserer Erinnerung.

Werde ich entdeckt-
bin ich eine Geschichte-
also bin ich eine Erinnerung.

Konstantin Bayer

Weimar, Oktober 2007